Journal · Regensburg und Stubaital · Juli

Zwei Tage, zwei Orte.

Zwei Tage, Standesamt und Fest Zwei Orte, Regensburg und Stubaital 1.560 bearbeitete Bilder geliefert 37 davon hier 3 bis 4 Wochen bis zur Lieferung

Ein Best-of kann jeder. Hier steht eine ganze Hochzeit in der Reihenfolge, in der sie stattgefunden hat — auch die Stellen, an denen nichts passiert.

Die meisten Fotografenseiten zeigen zwanzig Höhepunkte aus zwanzig verschiedenen Hochzeiten. Das sieht großartig aus und beantwortet die einzige Frage nicht, die ein Paar wirklich hat: Wie sieht unser Tag aus, wenn er vorbei ist?

Diese Hochzeit hat zwei Tage gebraucht und zwei Orte: das Standesamt in Regensburg, das Fest im Stubaital in Tirol. Getraut wurde nicht in einer Kirche, sondern auf einer Terrasse unter einem Zelt, mit Blick ins Tal. Und alle waren in Tracht — was fotografisch etwas verändert, weil Lodengrün, Leinen und Silberknöpfe anders auf Licht reagieren als ein weißes Kleid.

Aus diesen zwei Tagen sind 1.560 bearbeitete Bilder geworden — alles, was technisch sauber und kein Duplikat war, nicht nur eine Auswahl daraus. Siebenunddreißig davon stehen hier.

Wer die Bilder in dieser Reihenfolge durchgeht, sieht nicht nur Fotos. Er sieht, wie eine Hochzeit verläuft, die sich Zeit nimmt — und kann daraus für den eigenen Tag Schlüsse ziehen. Neben der Reportage aus Kitzbühel steht hier bewusst ein ganz anderer Tag: kein Kirchenschiff, keine Kutsche, keine weiße Schleppe.

Hochzeitsgesellschaft in Tracht steht unter einem Zelt auf, als das Paar einzieht
Der Einzug unter dem Zelt. Alle stehen im selben Moment auf.
01

Der erste Tag: das Standesamt

Der amtliche Teil ist der kürzeste des ganzen Wochenendes und wird deshalb oft unterschätzt. Zwanzig Minuten, ein Tisch, zwei Unterschriften. Ich bin hier früh da und fotografiere zuerst das, was gleich niemand mehr ansieht: die Kerze, die Ringe, den leeren Tisch. Diese Bilder tragen später das Album, weil sie das Einzige sind, was zeigt, wie sorgfältig jemand diesen Raum vorbereitet hat.

Was auf dem Tisch steht, bevor jemand im Raum ist
Was auf dem Tisch steht, bevor jemand im Raum ist
Zwei Herzen, zwei Ringe
Zwei Herzen, zwei Ringe
Die Kleinsten interessiert das Amtliche am wenigsten
Die Kleinsten interessiert das Amtliche am wenigsten
Die Unterschrift. Das Glas steht schon bereit.
Die Unterschrift. Das Glas steht schon bereit.
Der Strauß ist plötzlich Nebensache
Der Strauß ist plötzlich Nebensache
02

Hinaus

Dann geht die Tür auf, und drinnen wird draußen. Luftballons, Sonne auf dem Pflaster, alle reden gleichzeitig. In dieser Minute laufe ich nicht mit dem Paar mit, sondern gegen den Strom: die Gesichter, die dem Paar entgegensehen, erzählen mehr als das Paar selbst. Und in Tracht sieht ein Vorplatz in Regensburg anders aus als jeder andere Vorplatz.

Raus, mit allem was dazugehört
Raus, mit allem was dazugehört
Der erste Sekt steht schon
Der erste Sekt steht schon
Tracht auf dem Vorplatz, schwarzweiß
Tracht auf dem Vorplatz, schwarzweiß
03

Der zweite Tag beginnt im Tal

Zwischen dem Standesamt und dem Fest liegen Kilometer: Regensburg, dann das Stubaital. Der zweite Tag fängt in zwei verschiedenen Zimmern gleichzeitig an, und ich bin in beiden. Nicht wegen der Vollständigkeit, sondern weil die Stunde vor dem Anziehen die einzige ruhige des Tages ist. Was hier entsteht, ist leise und wird später am häufigsten angesehen.

Die Haare, Schritt für Schritt
Die Haare, Schritt für Schritt
Augen zu. Der einzige Moment Stille an diesem Tag.
Augen zu. Der einzige Moment Stille an diesem Tag.
Das erste Glas, noch im Bademantel
Das erste Glas, noch im Bademantel
Er zieht die Stutzen an
Er zieht die Stutzen an
Auch die Manschette will sitzen
Auch die Manschette will sitzen
04

Die Trauung unter dem Zelt

Getraut wird nicht in einer Kirche, sondern auf der Terrasse, unter einem Zelt, mit Blick ins Tal. Das ändert alles: es gibt keinen Mittelgang, an dem ich mich entlanghangeln kann, und kein dunkles Kirchenschiff, das das Licht für mich sortiert. Es gibt Tageslicht, Bierbänke und Menschen, die sehr nah beieinander sitzen. Ich stelle mich seitlich und warte. Der Moment, in dem alle gleichzeitig aufstehen, kommt nur einmal.

Die Reihen füllen sich
Die Reihen füllen sich
Warten, in Tracht, ganz vorn
Warten, in Tracht, ganz vorn
Alle stehen auf. Genau dafür stehe ich seitlich.
Alle stehen auf. Genau dafür stehe ich seitlich.
05

Gratulieren

Danach kommt der Teil, den kein Ablaufplan vorsieht und der bei einer Hochzeit in Tracht besonders herzlich ausfällt: eine Stunde Umarmen. Ich fotografiere hier fast nur mit vorhandenem Licht in der Stube, ohne Blitz. Das kostet Aufnahmen und bringt Bilder, die aussehen, wie sich der Raum angefühlt hat.

Fest, länger als nötig
Fest, länger als nötig
Zwei Männer, Lederhose, kein Wort
Zwei Männer, Lederhose, kein Wort
Das Bier ist schon in der Hand
Das Bier ist schon in der Hand
Der Händedruck, der länger dauert
Der Händedruck, der länger dauert
06

Der Brautdiebstahl

Dann ist die Braut weg. Wer sie findet, zahlt die Zeche — so will es der Brauch, und im Tal wird er ernst genommen. Der halbe Hochzeitszug wandert bei Regen und mit Schirmen die Straße hinunter ins nächste Wirtshaus, und ich gehe mit. Das ist der Teil des Tages, an dem ein Fotograf sich entscheiden muss: beim Bräutigam bleiben und die Suche fotografieren, oder mit der Braut verschwinden und die Stunde erwischen, in der sie unter ihren Leuten sitzt und niemand sie ansieht. Ich gehe mit der Braut. Der Bräutigam kommt sowieso.

Der halbe Hochzeitszug, bei Regen, die Straße hinunter
Der halbe Hochzeitszug, bei Regen, die Straße hinunter
Angekommen. Die Braut sitzt jetzt woanders.
Angekommen. Die Braut sitzt jetzt woanders.
Zwei Minuten, in denen nichts passiert
Zwei Minuten, in denen nichts passiert
Der Suchtrupp, mit Gepäck
Der Suchtrupp, mit Gepäck
Gefunden. Ab hier zahlt jemand die Zeche.
Gefunden. Ab hier zahlt jemand die Zeche.
Und dann kommt auch noch die Musik
Und dann kommt auch noch die Musik
07

Die Stunde zu zweit

Irgendwann zwischen Gratulieren und Essen sind die beiden zum ersten Mal an diesem Tag allein. Wir gehen zwanzig Minuten weg vom Haus, auf eine Holzbrücke über dem Bach. Ich gebe fast keine Anweisungen. Zwei Menschen, die gerade geheiratet haben, brauchen keine Pose, sie brauchen ein paar Minuten ohne Zuschauer. Und ich fotografiere einen Teil davon bewusst von weit weg, damit man sieht, wie klein zwei Menschen an ihrem größten Tag sein dürfen.

Der stille Moment
Der stille Moment
Tracht, aus der Nähe
Tracht, aus der Nähe
Er hat es angeboten, sie hat ja gesagt
Er hat es angeboten, sie hat ja gesagt
Den Strauß in die Luft
Den Strauß in die Luft
Die Brücke im Wald, zwei sehr kleine Menschen
Die Brücke im Wald, zwei sehr kleine Menschen
08

Tafel, Rede, Tanz

Ab hier wird es dunkel im Raum, und ich bleibe beim vorhandenen Licht. Eine Rede, bei der man dem Redner ansieht, dass er sie geübt hat. Eine Tanzfläche, die erst zögert und dann nicht mehr aufhört. Und gegen halb zwei ein Buffet, an das sich am nächsten Morgen niemand mehr genau erinnert. Deshalb bleibe ich so lange.

Die lange Tafel
Die lange Tafel
Er hat sie geübt
Er hat sie geübt
Die ersten, die sich trauen
Die ersten, die sich trauen
Die Rede, von ihrem Platz aus gesehen
Die Rede, von ihrem Platz aus gesehen
Später wird die Fläche nicht mehr leer
Später wird die Fläche nicht mehr leer
Halb zwei. Es gibt noch etwas zu essen.
Halb zwei. Es gibt noch etwas zu essen.

Die Eckdaten

Standesamt
Regensburg, Bayern
Fest
Stubaital, Tirol
Trauung
Frei, unter dem Zelt
Monat
Juli
Dauer
Zwei Tage
Kleidung
Tracht
Geliefert
1.560 bearbeitet
Lieferung
3 bis 4 Wochen

Ihr Tag findet einmal statt.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, wissen Sie schon ziemlich genau, wie ich arbeite. Der nächste sinnvolle Schritt ist keine Preisliste, sondern die Frage, ob Ihr Datum überhaupt noch frei ist.

MUNICHPIXART · Christian Heil · München Passion for photography ch@munichpixart.com · +49 176 14651982