Ratgeber
Fast jeder Zeitplan, den ich vor einer Hochzeit zu sehen bekomme, hat dieselben zwei Lücken. Beide kosten am Ende Bilder, und beide lassen sich mit fünfzehn Minuten Nachdenken schließen.
3 Minuten LesezeitMünchen

Ein Hochzeitstag verschiebt sich. Immer. Der Friseur wird später fertig, das Sektglas dauert länger, die Tante muss noch einmal aufs Foto. Ein guter Zeitplan ist deshalb keiner, der auf die Minute stimmt, sondern einer, der Verschiebungen aushält, ohne dass etwas Wichtiges hinten herunterfällt.
Nach der Zeremonie passiert etwas, das in keinem Plan steht: alle wollen gratulieren. Das dauert bei sechzig Gästen gut vierzig Minuten, und es lässt sich nicht abkürzen, ohne dass es unhöflich wird.

Planen Sie diese vierzig Minuten ein. Sie sind fotografisch außerdem eine der besten Phasen des Tages — dort entstehen die Umarmungen, für die niemand posiert hat.
Die meisten Pläne setzen die Paarbilder direkt hinter die Trauung. Verständlich, aber es ist der schlechteste Zeitpunkt: Sie sind aufgedreht, die Sonne steht hoch, und die Gäste warten.
Besser ist eine halbe Stunde später am Tag, wenn das Fest schon läuft und Sie kurz verschwinden. Sie sind dann ruhiger, das Licht ist flacher, und niemand wartet, weil alle beschäftigt sind.
Der Unterschied ist eine Liste. Schreiben Sie vorher auf, welche Gruppen Sie haben wollen — sechs bis acht sind genug — und bestimmen Sie eine Person aus der Familie, die die Leute zusammenruft. Diese eine Maßnahme spart eine Viertelstunde, in der sonst sechzig Menschen im Halbschatten stehen und warten.
Als Beispiel eine Trauung um 14 Uhr im Sommer, acht Stunden Begleitung:
Sie sehen an der letzten Zeile das Problem, über das ich in einem anderen Beitrag geschrieben habe: acht Stunden ab 12:30 Uhr enden um 20:30 Uhr, mitten im Abend. Wer die Feier in den Bildern haben will, fängt später an oder bucht länger.
Am Ablauf: nichts. An den Orten: alles. Deshalb steht in jedem Vorgespräch die Frage, wohin wir bei Regen ausweichen — eine Arkade, ein Torbogen, ein Treppenhaus. In München gibt es davon genug, man muss es nur vorher wissen und nicht erst um 15 Uhr im Regen suchen.

Das ist eine Frage des Geschmacks, nicht der Fotografie. Wer sich vorher sieht, gewinnt Zeit und kann die Paarbilder vorziehen. Wer nicht, bekommt die Reaktion beim Einzug — und die ist mit nichts zu ersetzen.
Dreißig bis fünfundvierzig Minuten. Die ersten zehn davon gehen fürs Ankommen drauf, da entsteht noch nichts, was zählt. Danach geht es schnell.
Nein. Ich suche vorher, was in Gehweite von Ihrer Location brauchbar ist. Ein Ortswechsel mit Auto kostet eine halbe Stunde, die Ihnen an anderer Stelle fehlt.
Sie, oder Ihre Planerin. Ich sehe ihn mir vorher an und sage Ihnen, wo es eng wird. Das kostet Sie nichts und ist Teil des Vorgesprächs.
Schicken Sie mir Ihren Ablauf, wenn er steht — ich sage Ihnen, wo die Lücken sind. Kurz schreiben genügt.




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